Letztes Update Stand: 2.10.2026, Lesezeit ca. 3 min

ChatGPT ist des gegnerischen Anwalts Liebling

ChatGPT erstellt juristische Texte, die zunächst kompetent wirken, birgt aber Risiken durch plausible Unvollständigkeit. Erfahren Sie, wann der Einsatz sinnvoll ist und welche Fehler drohen. Praktische Beispiele aus dem Alltag zeigen die Grenzen der Modelle. Ein Leitfaden für Verbraucher zur intelligenten Nutzung.

ChatGPT hat so seine Lücken.

Er ist der heimliche Liebling des Anwalts - und zwar des gegnerischen Anwalts! Nicht weil er so gut ist, sondern weil ChatGPT so selbstsicher falsch liegen kann (Stand: März 2026). Er stellt die richtigen Fragen, strukturiert sauber, klingt kompetent. Aber wenn sein Nutzer nicht weiß, was er nicht weiß, dann bemerkt er die Fehler nicht, die passieren können. Der Nutzer vertraut dem Ergebnis und sein Gegenanwalt freut sich.

Früher war das Tückische an KI oft die Halluzinationen (z.B. falsche Urteile), heute erscheinen die Fehler viel plausibler. ChatGPT arbeitet die Oberfläche ab, findet die naheliegenden Argumente, formuliert sie überzeugend, aber bleibt dabei oft an der falschen Stelle stecken.

Beispiele aus der Praxis

Zwei Beispiele aus der Praxis zeigen, wie das konkret aussehen kann. In einem typischen Parship-Fall erkennt ChatGPT die unwirksame Verlängerungsklausel, bestreitet brav die Inkassoforderung, aber übersieht dabei den eigentlichen Hebel: wer auf Basis einer unwirksamen Klausel gezahlt hat, kann auch sein Geld zurückfordern, soweit noch nicht verjährt. Das wäre der Fall gewesen, ChatGPT hat die Möglichkeit aber nicht erkannt und 3/4 des Anspruchs wären verschenkt gewesen, hätte man sich drauf verlassen.

In einem Vertragsstreit lese ich dasselbe Muster, nur auf der Gegenseite: Der Gegner nutzte ChatGPT und argumentierte gegen ein Widerrufsrecht mit allem, was das Modell so kennt. Zum Nachteil des Gegners hat die KI dabei aber übersehen, dass ohne Widerrufsbelehrung die Frist gar nicht anläuft. Die stärkste Karte des Mandanten hat ChatGPT dem Gegner einfach vorenthalten, so dass er die falschen Schlüsse zog und nun unnötige Anwaltskosten hat (nämlich meine).

Die Gefahr

Bild: KI, Prompt: Thomas Meier‑Bading

ChatGPT kann recherchieren, strukturieren, formulieren und vor allem Massen an Texten bauen. Was er nicht kann, ist urteilen, also entscheiden, wo in einem konkreten Fall die Argumentation wirklich passt. Das ist aber die übliche Anwaltsarbeit. Wenn man diese an ein Sprachmodell delegiert, spart man Geld und bekommt auch ein Schreiben, das gut aussieht und über das man sich erstmal freut. Viel mehr aber freut sich womöglich der gegnerische Anwalt, sobald er es liest.

Vor allem: man schadet sich ja gerade deswegen, weil man ChatGPT vertraut. Bei einer vernünftigen Beratung würde man Chancen nutzen, die man hat (und die die KI nicht erkannt hat) oder man würde anders herum einen Fehler einsehen und seinen Gegner runterhandeln, wenn man im Unrecht ist. Wenn man sich aber fehlerhaft in Sicherheit wiegt, dann kommen noch unnötige Kosten hinzu. 

Wann verwenden?

Für sehr einfache juristische Aufgaben ist ChatGPT besser als ein Laie: Verträge beenden, einfache kurze Vorlagen, ehe man gar nichts in der Hand hat. Keineswegs benutzen sollten Sie ChatGPT aber, wenn der andere juristisches Vorwissen hat, einfach weil das Risiko zu hoch ist:

  • Rechtsanwälte
  • Staatsanwälte/Polizei
  • andere Behörden
  • Firmen mit Rechtsabteilung
  • Inkassobüros

Wenn man schon keinen Anwalt bezahlen will, ist die Jura-Studentin aus der WG im 3.Stock definitiv die bessere Ansprechparnterin als eine KI. So weit jedenfalls der Stand im März 2026. Wahrscheinlich wird KI in Zukunft immer besser, wahrscheinlich nutzen wir irgendwann auch andere Modelle. Dann mag das anders aussehen.

Kontakt:

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